Grußbotschaft von Kulturbürgermeister Roland Meder
Zum Auftakt des Symposions „Rechtspopulismus und Esoterik – eine Bestandsaufnahme“
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,
Leider kann ich an der Auftaktveranstaltung nicht teilnehmen. Ich möchte Ihnen aber dennoch auf diesem Wege eine Grußbotschaft senden.
Sicher erinnern sich viele von Ihnen noch an die Corona-Demonstration hier in Freiburg im Januar 2022: Sogenannte Querdenker inszenierten sich selbst als Opfer einer Corona-Diktatur, während die wirklichen Opfer der Pandemie am Covid 19-Virus erkrankten und sogar starben. Dass eine solche Verkehrung der wissenschaftlichen Tatsachen ausgerechnet in einer Universitätsstadt tausende Menschen auf die Straßen gebracht hat, ist kaum zu begreifen.
Nur mit Ablehnung und Unverständnis zu reagieren wird aber der Herausforderung, die sich mit einer solchen Entwicklung verbindet, nicht gerecht. Daher ist es wichtig, den Ursachen für die Anziehungskraft esoterischer Weltbilder auf den Grund zugehen. Wir müssen die Menschen verstehen. Gerade in Zeiten von Krisen und Unsicherheit suchen wir Menschen Orientierung, Gemeinschaft und einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge. Darauf sollten wir nicht mit pauschaler Verurteilung reagieren, sondern mit Aufklärung, Dialog und verlässlichen Informationen. Gleichzeitig dürfen wir nicht zulassen, dass dieses Bedürfnis nach Orientierung von Demagogen dazu missbraucht wird, Misstrauen zu säen und unsere Gesellschaft zu spalten.
Eine offene Gesellschaft lebt von Vielfalt, von unterschiedlichen Perspektiven und davon, dass Menschen Fragen stellen und auch Widerspruch äußern können. Problematisch wird es aber dort, wo aus vermeintlichen Gewissheiten ein geschlossenes Weltbild entsteht. Wo demokratische Institutionen, unabhängige Medien, Wissenschaft oder politische Verantwortungsträger pauschal als Teil einer Verschwörung dargestellt werden. Und besonders gefährlich wird es, wenn rechtspopulistische Akteure solche Erzählungen aufgreifen, für ihre Zwecke nutzen und damit demokratische Grundwerte infrage stellen.
Dieser Gefahr können wir nur entgegentreten, indem wir Behauptungen überprüfen, Zusammenhänge verständlich erklären und zwischen belegbaren Tatsachen und unbegründeten Vermutungen unterscheiden. Und wir müssen deutlich machen, wo die roten Linien verlaufen: dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist und dass Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und die Verächtlichmachung demokratischer Institutionen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.
Die Veranstaltungsreihe bietet die Gelegenheit, Zusammenhänge zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Ich danke Herrn Teuchert und Dr. Schwarzkopf von den Kreativpionieren, die dieses Symposion vorbereitet und organisiert haben. Ich danke den Referentinnen und Referenten sowie allen Beteiligten, die sich für politische Bildung, demokratische Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.
Ich wünsche Ihnen anregende Diskussionen und viele interessierte Besucherinnen und Besucher!
Es grüßt Sie ganz herzlich,
Ihr Roland Meder
