An 9 Tagen werden 18 Themen von 21 Teilnehmenden bearbeitet.
Freitag 16. bis Sonntag 18. Oktober
Freitag, 16. Oktober, 19 Uhr
Auftaktveranstaltung
Gefährliche Bildung – Rechte Esoterik im Klassenzimmer
Buchvorstellung (Titel s.o.; Erstausgabe September 2026) und Podium
Vortragende
PD Dr. Matthias Pöhlmann, Weltanschauungsbeauftragter der Evang.-Luth. Kirche in Bayern; München
Prof.`in Dr.`ìn Rita Nikolai, Universität Augsburg
Rechte Esoterik hat in den letzten Jahren zunehmend Einfluss auf viele gesellschaftliche Bereiche gewonnen, darunter auch auf das Bildungswesen. Die Schetinin-Methode der Anastasia-Bewegung, Akteure wie Ricardo Leppe, die Bewegung „Mütter der neuen Zeit“ sowie verschwörungsideologische Bildungseinrichtungen und angeblich freie Lernorte verknüpfen alternative Bildungsansätze mit ideologischen Inhalten, die antisemitische, völkische und verschwörungsideologische Weltbilder transportieren. Auch die Szene der Reichsbürger wird unter dieser Fragestellung kritisch in den Blick genommen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie esoterische, verschwörungsideologische sowie extrem rechte und populistische Akteurinnen und Akteure im Bildungsfeld argumentieren, welche Vorstellungen von Wissen, pädagogischer Expertise und gesellschaftlicher Ordnung sie vertreten – und wie sie an bildungspolitische Reformdebatten anschließen. Im Mittelpunkt stehen dabei Personen, Netzwerke, digitale Formate und Argumentationsmuster, mit denen autoritäre oder antidemokratische Positionen im Bildungsdiskurs anschlussfähig gemacht werden.
Die Bildungsforscherin Rita Nikolai und der Weltanschauungsexperte Matthias Pöhlmann analysieren diese Entwicklungen, sie zeigen die Gefahren für die Schule als Ort demokratischer Bildung und entwickeln Strategien zur Prävention
Matthias Pöhlmann, PD Dr. theol. habil., Kirchenrat und Landeskirchlicher Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, München. 1997 Promotion in Praktischer Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2024 Habilitation, seither Privatdozent für Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Veröffentlichungen …
Rita Nikolai, Professorin für Pädagogik an der Universität Augsburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Vergleichenden Bildungsforschung, der Analyse von Bildungspolitik und Bildungsreformen sowie der Untersuchung von Schulstrukturentwicklungen und sozialer Bildungsungleichheit.
- Freimaurerei, Neuoffenbarungen und die moderne Esoterik. Baden-Baden: Nomos Verlag, 2025
- Rechte Esoterik. Freiburg/Breisgau: Verlag Herder 2021
Samstag, 17. Oktober, 15 Uhr
Vernissage der begleitenden Ausstellung
– Titel wird rechtzeitig bekannt gegeben –
Samstag, 17. Oktober, 17 Uhr
Die Politik der Nostalgie: Tradwives und die Neuerfindung traditioneller Geschlechterrollen
Vortragende und Podium
Prof.`in Sieglinde Lemke, Universität Freiburg, Amerikanistik
Was als Social-Media-Trend in den USA begann, ist längst auch in Deutschland angekommen: die internationale Tradwife-Bewegung propagiert seit den 2010er-Jahren die Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen. Der Vortrag zeigt, dass hinter der ästhetisierten Inszenierung von Häuslichkeit und Familienidylle viel mehr steckt als Nostalgie. Er analysiert die Bewegung als Teil eines antifeministischen Projekts, das über konservative Rollenbilder hinaus eine gesellschaftliche Neuordnung entwirft.
Prof. Dr. Sieglinde Lemke [she/her]
North American Studies
Literatur- und Kulturwissenschaft
am Englischen Seminar
Samstag, 17. Oktober, 19 Uhr
Im Sog toxischer Spiritualität
Über dubiose Coachings, radikale Gruppen und sektenähnliche Strukturen
Vortragende
Dr.`in Sarah Pohl, Zentrale Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen BW, Zebra Freiburg
Bianca Liebrand, Psychologin (M.Sc.), Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen, Sekten-Info NRW e.V., Essen
Der Vortrag „Im Sog toxischer Spiritualität“ beleuchtet, wie Menschen in Krisen oder auf der Suche nach Sinn, Gemeinschaft und Orientierung in den Einfluss manipulativer spiritueller Gruppen oder unseriöser Einzelanbieter geraten können. Anhand von Fallbeispielen sowie psychologischen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen zeigen die Referentinnen, welche Mechanismen hinter toxischer Spiritualität stehen und warum grundlegende menschliche Bedürfnisse gezielt ausgenutzt werden. Darüber hinaus werden typische Manipulationsstrategien und deren Folgen für Identität, Beziehungen und psychische Gesundheit erläutert. Der Vortrag vermittelt außerdem Kriterien, um problematische Strukturen frühzeitig zu erkennen, grenzt bereichernde von missbräuchlicher Spiritualität ab und gibt praxisnahe Impulse für Betroffene, Angehörige und Beratende.
Sonntag, 18. Oktober, 17 Uhr
Die dunkle Seite der Macht verlassen
Das Fediverse: Alternativen zu Meta, TikTok und Co.
Vortragender
Ralf Tauscher, freiburg.social
Soziales Netzwerken unter demokratischer Kontrolle ist möglich. Mit dezentraler, freier Software können wir Alternativen zu Instagram und Co anbieten. Thema des Vortrags ist: Wie es dazu kam, dass wir bereits mehrere Millionen im gallischen Dorf der Rebellion sind, die dem Meta-Imperium trotzen und wieso föderierte, freie Software essentielle Zutaten in unserem Rezept für den Zaubertrank sind. Wir sind mittendrin auf Weg aus der Nische in den Mainstream. Daher laden wir ein, gemeinsam Mastodon und das Fediverse mit seinen Möglichkeiten zu entdecken, damit wir diese Chance für echte Souveränität nutzen.
Genau dazu betreibt der freiburg.social e.V einen Teil des Netzwerks.
Lokal verwurzelt, weltweit verbunden.
Reclaim the net!
https://links.librescrum.org/@derralf
Sonntag, 18. Oktober, 19 Uhr
Teil 1: Ideologien der “Reichsbürger” und “Selbstverwalter”
Vortragender
Felix Blum, Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg
Die Ideologien des äußerst heterogenen Milieus der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ basieren auf verschiedenen pseudojuristischen, historischen, philosophischen und teilweise sogar religiösen Herleitungen, die in diesem Vortrag beleuchtet werden sollen. Wo ergeben sich Anknüpfungspunkte zu anderen extremistischen und nicht-extremistischen Narrativen? Wie lässt sich das Milieu von anderen Phänomenbereichen abgrenzen? Oder sind die Milieuangehörigen gar pauschal rechtsextremistisch?
https://www.verfassungsschutz-bw.de
Felix Blum, wissenschaftlicher Referent beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, zuständig insbesondere für den Phänomenbereich „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“
Teil 2: Präventionsmaßnahmen, eine Einschätzung der aktuellen Situation in Freiburg
Vortragender
Ivo Schölzke, Polizeipräsidium Freiburg, Abt. Prävention
Der Vortrag vermittelt einen Überblick über die Problematik der Aufklärung an Schulen und die Beratung für Betroffene von rechter Gewalt, Hate Speech oder Hasskriminalität. Ein Exkurs zum Thema Zivilcourage gibt anwendbare Verhaltensregeln, wie man einschreitet, wenn Menschen im Alltag rassistisch, fremdenfeindlich oder politisch motiviert angepöbelt werden.
https://praevention.polizei-bw.de
Der Kriminaloberkommissar Ivo Schölzke ist der zuständige Präventionsexperte des Polizeipräsidiums Freiburg (Referat Prävention – Opferschutz). Er referiert regelmäßig zu sicherheitsrelevanten Themen wie Zivilcourage, Stalking und Opferschutz.
Freitag 23. bis Sonntag 25. Oktober
Freitag, 23. Oktober, 18 Uhr
Die Entwicklungspsychologie des Basiswissens – Warum pseudowissenschaftliches Denken bereits im Kindergarten beginnt
Vortragender
Alexander Wolber, M.Sc. (GWUP)
Verschwörungstheorien, Alternativmedizin und paranormale Phänomene – Beschäftigen wir uns heute kritisch mit Pseudowissenschaften, so wundern wir uns nicht selten darüber, wieso manche Menschen an Dinge glauben, für die es keinerlei Beweise gibt. Es existieren zahlreiche Variablen, die die Entstehung pseudowissenschaftlicher Überzeugungen begünstigen können. Ein geringer sozioökonomischer Status, ein niedriger Bildungsstand, ideologische Strukturen, Beziehungsprobleme und Erkrankungen sind nur einige wenige Faktoren.
Die Forschung interessiert sich zunehmend dafür, ob sich Menschen bereits im Kindesalter hinsichtlich ihrer späteren Neigung zum pseudowissenschaftlichen Denken unterscheiden könnten. Untersucht wird in diesem Zusammenhang das entwicklungspsychologische Konzept des „Basiswissens“. Unter Basiswissen werden fundamentale Vorstellungen von der Beschaffenheit der Welt verstanden, auf deren Grundlage sich Wissen im Laufe des Lebens überhaupt erst bilden kann. Ein weniger akkurat ausgebildetes Basiswissen geht dabei mit einer größeren Neigung zu pseudowissenschaftlichem Denken einher. Das Basiswissen kann allerdings bereits im frühen Kindesalter modifiziert werden, weshalb insbesondere der Pädagogik eine tragende Rolle zukommt.
Alexander Wolber ist Psychologe (M.Sc.) und seit 2018 Psychologischer Psychotherapeut in Ausbildung, mit Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie. Seit 2020 ist er Doktorand am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Konstanz, wo er zum Thema „Dynamische Veränderungen der Risikowahrnehmung bei Schizophrenie“ forscht. Seit 2024 ist er Autor beim Humanistischen Pressedienst (hpd) und seit 2026 Vorstandsmitglied in der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP).
Freitag, 23. Oktober, 20 Uhr
Fake News – unverrückbare Überzeugungen – Gendern:
Kognitionswissenschaftliche Forschung zu Fallstricken der (politischen) Kommunikation
Vortragende
Prof.`in Evelyn Ferstl, Universität Freiburg, Kognitionswissenschaft und Genderforschung
In einer Zeit, in der ein ständiger Strom von Information auf uns einprasselt, wird es immer schwieriger, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Wem kann man noch trauen, wenn Fake News und Halbwahrheiten an der Tagesordnung sind? Durch Algorithmen, die dafür sorgen, dass Menschen in ihrer eigenen Blase bleiben, tragen vor allem die sozialen Medien dazu bei, dass kaum mehr sachlich argumentiert wird, sondern nur noch Bestätigung für die eigenen Überzeugungen gesucht wird. Radikalisierung, Populismus und Verschwörungstheorien haben dadurch freie Bahn. Dieser Vortrag stellt kognitionswissenschaftliche Forschung zu diesen Themen vor: klassische Experimente zum Textverstehen, Befunde zu ganz üblichen Fehlern beim logischen Schließen, und was das Gendern mit all dem zu tun hat. Abschliessend wollen wir diskutieren, wie Bildung, seriöser Journalismus und Medienkompetenz dazu beitragen können, den gesellschaftlichen Diskurs zu versachlichen.
Evelyn Ferstl ist Professorin für Kognitionswissenschaft und Genderforschung an der Universität Freiburg. Ihre Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Linguistik und Psychologie: wie wird aus Sprache Bedeutung abgeleitet? Welche Rolle spielt dabei der Kontext und das Vorwissen der Gesprächspartner:innen? Spezifische Themen sind z.B. die Kohärenz von Texten, das Verstehen von Witzen, der Effekt von Stereotypen oder gender-inklusive Sprache.
uni-freiburg.de/cognition/evelyn-ferstl/
Samstag, 24. Oktober, 13 bis 15 Uhr
Workshop
Das Fediverse – Alternativen zu Meta, TikTok und Co.
Anleitungen zur sicheren Kommunikation
Thema
Vorstellung der Alternativen zu den ‘dunklen Seiten der Macht’
Weitere Informationen siehe Sonntag, 18. Oktober, 17 Uhr
Samstag, 24. Oktober, 17 Uhr
Anastasia-Bewegung: Rechts-esoterische Siedler*innen im ländlichen Raum
Vortragender
Patrick Irmer, FARN (Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz)
(Berufsbezeichnung: Sozialpädagoge/Politikwissenschaftler)
Ein Leben auf dem Land und eigenes Gemüse aus dem Garten: Die Siedler*innen der Anastasia-Bewegung wirken auf den ersten Blick wie harmlose Öko-Aussteiger*innen. Sie selbst stellen sich als eine Bewegung dar, die im Einklang mit der Natur möglichst ökologisch und nachhaltig leben will und dabei unpolitisch ist. Ihre Ideologie beruht jedoch auf Antisemitismus, Verschwörungsdenken und einem reaktionären, rassistisch-völkischen Weltbild.
Im Rahmen des Vortrags setzen wir uns kritisch mit der Bewegung auseinander und beleuchten dabei Ideologie und Weltbild, Akteur*innen der Szene sowie Strukturen und Verknüpfungen.
Patrick Irmer ist als freier Referent für die Fachstelle zur Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) tätig. Wissenschaftlich arbeitete er als Lehrbeauftragter im Arbeitsbereich „Identität und Repräsentation“ an der Universität Leipzig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf rechtsradikalen Tendenzen im ländlichen Raum.
patrick-irmer.eu/wordpress/profil/
Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr
Das Braune im Grünen: Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umweltschutz
Vortragender
Patrick Irmer, FARN (Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz)
(Berufsbezeichnung: Sozialpädagoge/Politikwissenschaftler)
Immer wieder sind demokratische Akteur*innen des Natur- und Umweltschutzes sowie des (ökologischen) Landbaus mit Kooperationsanfragen, Vereinnahmungsstrategien und Unterwanderungsversuchen von rechts konfrontiert. Welche Beweggründe haben extrem rechte Akteur*innen sich in diesen Themenfeldern zu engagieren? Welche Ziele verfolgen sie?
Der Vortrag sensibilisiert für die historischen und die aktuellen Verknüpfungen des deutschen Natur- und Umweltschutzes mit extrem rechten Ideologien. Das Angebot versetzt die Teilnehmer*innen in die Lage, demokratiefeindliche und menschenverachtende Ideologien und Denkmuster im Natur- und Umweltschutz zu identifizieren.
Patrick Irmer ist als freier Referent für die Fachstelle zur Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) tätig. Wissenschaftlich arbeitete er als Lehrbeauftragter im Arbeitsbereich „Identität und Repräsentation“ an der Universität Leipzig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf rechtsradikalen Tendenzen im ländlichen Raum.
patrick-irmer.eu/wordpress/profil/
Sonntag, 25. Oktober, 19 Uhr
er|schöpfen
Vortragende
Dr.`in phil. Marion Mangelsdorf, Zentrum für Anthropologie und Gender Studies (ZAG) Universität Freiburg
Podium
Simone Thomas, Referat für Chancengleichheit Stadt Freiburg
Mein Beitrag dreht sich um zwei Perspektiven:
Wir erschöpfen uns
Weiblich sozialisierte Menschen fühlen sich durch Care-Arbeit und Doppel-/Dreifachbelastung erschöpft. Queere Personen sind müde, dem Hass begegnen zu müssen, der ihnen entgegengebracht wird. People of Color sind es leid, weiße Menschen, über ihre Privilegien und den strukturellen Rassismus aufklären zu müssen. Junge Männer neigen nach rechts, während junge Frauen sich nach links orientieren. – Heterofatalismus macht sich breit.
Schöpfen wir?
Nach diesem kritischen Befund der Erschöpfung wende ich mich Bewegungen zu, die darauf reagieren. Inspiriert von Eva von Redecker’s Buch „Revolution für das Leben“ (2020) und durch Beiträge des online-Kanals funfacts, bei dem sich über 200 Menschen aus den Bereichen Comedy, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft zu Wort melden, gehe ich auf eine Spurensuche, um zu erkunden, wie sich die Welle der Erschöpfung zeigt und wiederum zu schöpferisch-kreativen Bewegungen führt.
Marion Mangelsdorf, Dr.`in phil. ist Kulturwissenschaftlerin und künstlerisch Forschende. Ihre Themenschwerpunkte sind Verkörperung, Muße sowie unsere Beziehung zu uns selbst, anderen und unserer Mitwelt. Sie ist wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Anthropologie und Gender Studies (ZAG) an der Universität Freiburg.
https://www.zag.uni-freiburg.de/gender-studies/personen/marion-mangelsdorf/
Freitag 30. Oktober bis Sonntag 1. November
Freitag, 30. Oktober, 19.30 Uhr
Abendvortrag und Gespräch
Zur rechten Literaturpolitik im Schnellroda-Komplex
Vortrag und Gespräch
Derk Janßen, Verleger und Jurist
Moderation
Jürgen Reuß, Journalist
Seit 2000 sendet eine kleine Gruppe neurechter Denkerinnen und Denker aus dem kleinen Dorf Schnellroda in Sachsen-Anhalt sehr erfolgreich neurechte Botschaften in die deutsche Öffentlichkeit. Die Aktivitäten wollten und wollen bis heute v.a. jüngere Menschen zu ‚alternativem Denken‘ von rechts anregen. Zum konkreten Vorfeld einer politischen Partei wurden diese Aktivitäten erst 2013 mit Gründung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Oberursel im Taunus. Diese, bei ihrer Gründung vor allem Euro-kritische Partei, transformierte sich in den folgenden Jahren unten den auf Bernd Lucke folgenden Vorsitzenden Frauke Petry, Jörg Meuthen, Alice Weidel und Tino Chrupalla erheblich. 2025 – Mitte der 2020er-Jahre – will die AfD außenpolitisch nicht nur raus aus der europäischen Gemeinschaftswährung Euro, sondern raus aus der EU, raus aus der Nato und strebt als Ukraine-kritische und selbsterklärte ‚Friedenspartei‘ nach ‚guten Beziehungen‘ mit den autoritären Staaten Russland und China. Innenpolitisch propagiert die AfD eine offen migrationsfeindliche und nationalistische Agenda eines ‚Deutschland zuerst‘.
Wie gelingt es einer kleinen Gruppe von neurechten Frauen und Männern aus dem Schnellroda-Komplex seit der Jahrtausendwende Themen zu setzen und zu senden, Themen, die erst mit der Gründung der AfD 2013 und ihren Häutungen so richtig aufzugehen scheinen? Welche Rolle spielt neurechte Literaturarbeit, eine neurechte ‚Literarisierung‘ des Nachwuchses dabei?
Welche Gegenstrategien gibt es, welche Lösungen sind möglich? Stellt sich eine Gegenliterarisierung junger Menschen als eine Chance dar? Eine Chance, die jeder einzelne ergreifen kann?
Samstag, 31. Oktober, 10 bis 17 Uhr
Workshop
Zur rechten Literaturpolitik im Schnellroda-Komplex
(Beispiele, Gegenstrategien, Lösungen)
Thema
Interaktive Übungen und Handlungsperspektiven
Der Workshop stellt im ersten Teil (10-12 Uhr) Beispiele für die Literaturarbeit im Schnellroda-Komplex vor (Rezeption von E. Jünger, T. Mann, H. D. Thoreau, Hannah Arendt u.a.). Im zweiten Teil (13-17 Uhr) werden in Arbeitsgruppen und im Gespräch Gegenstrategien erarbeitet und mögliche Lösungen aufgezeigt.
Im Ergebnis zeigt sich, dass genaue, kritische Lektüren der aus Schnellroda kommenden Publikationen (Zeitschrift Sezession vom sog. Institut für Staatspolitik, Reihe Kaplaken und Bücher aus dem Antaios-Verlag etc.) helfen, die hinter ihnen stehenden Intentionen aufzudecken und zu stellen. Die Entwicklung eigener Standpunkte, in offener und kritischer Auseinandersetzung mit den jeweiligen Quellen, bildet eine nachhaltige Strategie, der Herausforderung neurechter Jugendarbeit zu begegnen.
Samstag, 31. Oktober, 19 Uhr
Freiburger “Standard“?!? Von Coronaleugner*innen, Burschis* über Reichsbürger*innen und AfD bis hin zur Identitären Bewegung. Über die *Rechte Szene* in Freiburg und ihre Erscheinungsformen – Erklärungen und Analysen.
Vortragender
Stefan Brandstetter, Dipl. Soz.päd., Lehrbeauftragter für Rechtsextremismus/-prävention an der Kath.Hochschule Freiburg
Mitte Januar 2024 schreckte uns ein Bericht des Medienkollektivs Correctiv auf:
Am 25. November 2023 fand ein Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam in der Villa Adlon am Lehnistzsee in Postsdam statt. Auf der Veranstaltung stellte der Rechtsextremist, Buchautor und Mitbegründer der österreichischen Identitären Bewegung Martin Sellner seine als „Masterplan zur Remigration“ bezeichnete Überlegungen vor. Unter anderem sollen laut Sellner drei Gruppen Deutschland verlassen: Asylbewerber*innen, Ausländer*innen mit Bleiberecht und „nicht assimilierte“ (deutsche) Staatsbürger*innen; letztere sollten durch „maßgeschneiderte Gesetze“ und „hohen Anpassungsdruck“ zur Auswanderung bewegt werden. Anwesend waren Mitglieder*innen der AfD, CDU, ÖVP, des Vereins Werteunion, der Identitären Bewegung und weitere Personen, die über die Umsetzung diskutierten. In Folge der Enthüllungen gab es in vielen Städten in Deutschland massenhafte Proteste.
Den Teilnehmer*innen des Treffens ist allen gemein, dass sie die liberale Demokratie ablehnen, anstelle einer pluralen Gesellschaft einen eindimensionalen und streng hierarchischen völkischen Staat im Sinn haben und sich dabei geschickt verpackter rechter Verschwörungsnarrative bedienen. Die Negativbewertung von demokratischen, offenen und inklusiven Gesellschaftsformen sowie der Ruf nach autoritären Strukturen nimmt zu – nicht nur innerhalb der klassischen Rechten und der sogenannten bürgerlichen Mitte; dabei werden auch überzeugte Faschist*innen anschlussfähig und gewinnen an Einfluss.
Wer im Raum Freiburg die Akteure der *Rechten Szene* sind, wie sie vorgehen, wie sie vernetzt und woran sie zu erkennen sind, ist das Thema des Vortrags und der abschliessenden Diskussion. Hierbei wird auch auf das Wording der „neuen Rechten“ eingegangen und wie dies zu erkennen und zu analysieren ist.
Stefan Brandstetter, Dipl. Soz.päd. (FH), Lehrbeauftragter der KH-Freiburg mit dem Schwerpunkt Rechter Lifestyle/ Rechtsextremismus- und Rechtsextremismusprävention, Referent des Bündnisses *Aufstehen gegen Rassismus* (AGR), Berlin; Mitglied desVVN-BdA; Mitglied im Vorstand Respekt e.V. Berlin sowie langjähriger Vorstandsvorsitzender im Archiv der Jugendkulturen e.V. Berlin
Sonntag, 1. November, 17 bis 18 Uhr
Verteidigung gegen die dunklen Künste
Ein interaktiver Theaterworkshop von WirrWahr e.V.
Wir klären auf. Gemeinsam gegen Rechtsextremismus. Demokratie stärken.
Inszenierung / Ausführende: 3 Schauspieler*innen
Teilnehmende: Für alle Interessierten
In der geheimnisvollen WiRRklichkeit erforschen wir spielerisch die Kräfte, die unsere Gesellschaft prägen. Gemeinsam erschaffen wir einen fantasievollen Raum, in dem Theater, Kreativität, Körperwahrnehmung und kritisches Denken aufeinandertreffen.
Ausgehend von einer selbst entwickelten Fantasiewelt werden gesellschaftliche Strukturen, Ideologien und Kommunikationsformen untersucht. Dabei lernen die Teilnehmenden, manipulative Narrative und vereinfachende Weltbilder zu erkennen, zu hinterfragen und ihnen selbstbewusst zu begegnen – eine kreative Verteidigung gegen die dunklen Künste.
Der Workshop stärkt Wahrnehmung, Urteilsfähigkeit und Handlungskompetenz. Er ermutigt Menschen, ihre soziale Welt bewusst wahrzunehmen, kritisch zu reflektieren und aktiv mitzugestalten.
Sonntag, 1. November, 19 Uhr
Abschlussveranstaltung
‘Ausblicke’
Ein Diskussionsabend zum Umgang mit Verschwörungserzählungen und rechtspopulistischen Entwicklungen im Dreiländereck